Hilfe! Ich habe Giersch!

Aktualisiert: 8. Jan.

Ja, dann geht es Dir so, wie vielen anderen Gärtnern auch.

Über Giersch freuen sich die wenigsten Menschen im Garten. Wächst er doch mit einer Urkraft in die hinterlegensten Ecken eines Gartens und ist auch aus den noch so schön angelegten Staudenbeeten kaum raus zu bekommen.


Giersch zwischen Baumstämmen
Giersch wächst gerne und überall.

Was ist also zu tun?

Das hehre Ziel, dem Giersch den kompletten Garaus zu machen – ist, sagen wir mal, sehr heroisch. Lassen wir es doch mal ein klein bisschen ruhiger angehen: Wenn wir seine Wuchsbiologie verstehen, können wir ihn gezielt schwächen. Dadurch sparen wir Rückenschmerzen, Zeit, Nerven und bekommen sogar lächelnden Freiraum geschenkt. Denn wir wissen, wann wir was machen können, um unserem Ziel näher zu kommen: Den Giersch in Schacht zu halten und uns an unserer Gartengestaltung zu freuen.

Gerade im Frühjahr strotzt der Giersch (Aegopodion podagraria L.) nur so vor Energie:

Die Erde ist vom Winter noch feucht und wird durch die mitunter schon sehr kräftige Frühlingssonne erwärmt. Das ist das Zeichen für die Natur und unseren Giersch, loszuwachsen. Und das tut er!

In gläsern wirkenden, zusammengefalteten, hellgrünen Blättern schiebt er sich hier und da aus der Erde. Wir können die Form des Ziegenfußes erkennen, auf dessen Form sich sein botanischer Name bezieht:


Giersch bedeutet aus dem Griechischen αἰγοπόδης aigopódēs kommend, zu deutsch ‚ziegenfüßig‘.

In seinen unterirdischen Trieben, den Rhizomen, ist die geballte Sonnenenergie des vergangenen Spätsommer und Herbstes gespeichert. Das ist also einiges. Dieses Rhizom ist äußerst wuchsfreudig und kommt mit den verschiedensten Bedingungen bestens aus. Sei es trocken oder feucht, locker oder verdichtet: Der Giersch ist da! Da wir im Frühjahr mit unserer Tatkraft auch gerne im Garten Ergebnisse sehen möchten und schon die Unkraut-Invasion des Sommers erahnen, machen wir uns an den ersten Blättern des Gierschs gleich zu schaffen: Raus damit und weg!

Klar, genau diese zarten, unschuldigen Blättchen sind wunderbares Wildgemüse.

Fein geschnitten in Salatsoßen ähnlich der Petersilie oder wie Spinat als Blattgemüse oder Quiche ist er durchaus schmackhaft.

Die Frage ist nur: Wer kann und will diese Massen essen?

Wir machen also Tabula rasa – oder versuchen es zumindest. Leider unterschätzen wir dabei die gespeicherte Energie in den Rhizomen. Durch unseren Aktionismus regen wir das Rhizom an, sich auszubreiten; denn dort, wo es anfangs austrieb, war es nicht gut. Die Blätter wurden ja entfernt. Oder es wurde umgegraben (eh so eine Geschichte für sich, dieses Umgraben. Doch dazu später mal etwas mehr). Dabei wurden die unterirdischen Triebe geteilt, es wurden unterirdische Stecklinge fabriziert, die lustig weiter wachsen: Uns um die Ohren. Als Ergebnis treibt der unterirdische Teppich voller Energie weiter aus. Und wächst und wächst. Und wir wüten und wüten. Es beginnt ein Kampf, dem selbst chemische Unkrautbekämpfungsmittel nicht gewachsen sind, ohne den Boden komplett zu vergiften. ​ Wir dürfen also mit Köpfchen an die ganze Sache ran gehen: Wie wäre es, wenn wir den Giersch wachsen ließen? Einfach dort, wo er ist? Vielleicht ein paar Blätter weg, weil die Staude daneben sonst bald keine Sonne hat. Ab